Geländegestaltung

Zu einem aktuelleren Beitrag, hier lang!

Wie jeder Modellbahner, der seine erste Anlage oder sein erstes Modul oder Diorama baut, stand auch ich vor der Aufgabe, eine für mich vertretbare Form der Gestaltung des Geländes zu finden. Schließlich wollte ich eine leichte Variante mit preisgünstigen Materialien.

Ich will jetzt hier nicht auf die verschiedenen Typen, vom Rohbau angefangene Methoden eingehen (dafür gibt es genügend Fachliteratur), sondern eigene Wege aufzeigen.

Bei meinen Dioramen verwendete ich für die Gestaltung vor allem Styropor, Alu Gewebe und darauf dann eine dicke Gipsschicht. Das Ganze ist schon okay, sehr stabil, aber die Verarbeitung und die vielen Blutflecken (das Alu Gewebe ist echt nervig) und das teilweise sehr ungünstige Handling (störrisches Gewebe) konnten mich nie zu 100 Prozent überzeugen.

Da ich bei meiner Anlage auf die klassische Rahmenkonstruktion mit Platten auf Ebene 0 arbeitete und die Trassen aus Holzpfosten und klassischen Sperrholz /MDF Platten entstanden, musste ich mir erst einmal eine Strategie für die Gestaltung des Geländes überlegen. Und nur so nebenbei, rückblickend würde ich auf jeden Fall auf die Spanten Technik setzen, auch wenn der Material Einsatz und die Herstellung aufwendiger und teurer sein sollten.

Alu Gewebe, Styrodur, Styropor oder was?

Mir war klar, dass ich auf das Alu Gewebe verzichten wollte und das ich im Grunde genommen zwei verschiedene Techniken brauchte. Die Bereiche zwischen Trassen- und Ebenen Brettern (Bahnhof) kann man sehr einfach mit einem Trägermaterial und Heißkleber überbrücken. Für die offenen Bereiche brauchte ich allerdings auch einen zusätzlichen Unterbau. Da ich keine großen Gelände Aufbauten oder schwere Elemente darauf befestigen will, reicht auch eine leichte Bauweise.

Zuerst hatte ich Styrodur Platten im Sinn. Man kann sie einfach übereinander stapeln und verkleben und anschließend mit Messern und anderen Werkzeugen modellieren. Als ich dann aber die Preise für diese Materialien sah, wurde mir schlecht und ich nahm von diesem Material wieder Abstand. Wenn man bedenkt, wie viel Abfall dabei entsteht, will man gar nicht wissen, wie viele Euros man dabei einfach so mal weg meißelt.

Eine Alternative im Modellbau ist Styropor. Allerdings hat das Material doch ein paar erhebliche Nachteile, es ist nicht hitzebeständig (kein Heißkleber), es reagiert mit Lösungsmitteln oder löst sich gar auf (Kleber Auswahl eingeschränkt) und es kann mit dem Alter anfangen sich zu verformen (sehr uncool). Alles in Allem ist das also auch nicht so die erste Wahl, ABER, grundlegende Flächen oder Höhen damit aufzufüllen, ist kein Problem für mich. Kleben tue ich dabei immer mit Holzleim (Weißleim). Man muss dann zwar mindestens eine Tag warten, aber es wird alles ohne Schäden vernünftig verleimt.

Durch einen Artikel im Internet fand ich noch eine andere Variante, die mich echt begeisterte (trotz der Nachteile), und die ich nun für einen Teil der offenen Flächen verwende.

Unterbau Variante 1 – Putzgewebe

Bei den offenen Flächen, wo ich von Holz zu Holz Flächen überspannen muss oder bei Geländebereichen, wo ich noch Hänge gestalten oder Löcher überbrücken will (oder generell einen Unterbau brauche), verwende ich Putzgewebe aus dem Baumarkt. Das Material besteht aus PVC und gibt es mit engen Maschen (ca. 5 x 5 mm) direkt auf einer Rolle (oder als Rolle). Ich habe eine 10  m Packung gewählt und werde damit definitiv eine lange Zeit auskommen. Zu dem ist das Material wirklich günstig. Es lässt sich prima zu schneiden und kleben. Ich nehme dafür Heißkleber, bei Styropor darunter einen Lösungsmittel freien Kleber. Oder man verwendet Panzer Karton als Deckschicht auf dem Styropor, dass ermöglicht dann wieder die Verwendung des Heißklebers. Dieser hat den Vorteil, dass der Kleber beim Auskühlen sofort härtet und man einfach immer weiter arbeiten kann, ohne auf das Trocknen des Klebers zu warten.

Gitter
Gitter (Beispiel)

Mit dem Putzgewebe kann man auch gute Flächen und sanfte Hänge gestalten, aber natürlich auch steile Hänge oder Abdeckungen für spätere Felsen.

Ein nicht zu unterschätzender Nachteil des Materials ist es aber, dass es im Gegensatz zum Alu Gewebe, zum Durchdrücken neigt. Man sollte beim Befestigen also auf eine ordentliche Spannung achten. Es reicht aber beide Seiten vernünftig zu verkleben, um ein Durchhängen zu vermeiden.

Die Hände übrigens danken einem den Einsatz, man holt sich nicht tausende Stichwunden beim Verlegen. Beim Verkleben mit Heißkleber sollte man aber definitiv seine Hände schützen mit Arbeitshandschuhen, Brandwunden sind nicht gerade angenehm.

Ich habe mit dem Gitter kleine Flächen (siehe Bild oben), größere Flächen (siehe Bild unten) und kleinere Lücken damit gestaltet. Für Hügel und Unebenheiten befestige ich das Gewebe auch gerne mal auf vorher befestigten Styropur Stücken.

Geländebau
Geländebau mit Deckschicht

Unterbau Variante 2 – NOCH Terra-Form

Lange Zeit habe ich das System von NOCH eher skeptisch gesehen, da ich aber nun mal kein „ich weiß alles besser“ Freak bin habe ich dem System eine Chance gegeben. Und ich muss sagen, für die kleinen Ecken und Bereiche, wo mir Befestigungen für die Gewebe Methode fehlen, klappt das Ganze doch erstaunlich gut. Sobald ich sämtliche Stützen erstellt habe, wird die grundlegende Fläche mit dem NOCH Gelände Krepp beklebt. Auch hier werden dann bei Bedarf aufbauende Elemente wie kleine Hügel mit Styropor und der Gewebe Methode modelliert.

Unterbau Variante 3 – Styropor

Styropor verwende ich an den Stellen, wo ich größere Höhen überwinden muss oder da, wo ich mit den ersten beiden Methoden nicht klar kommen würde. Auf das Styropor kommt dann, wie bereits erwähnt, noch Panzer Karton, damit ich den Heißkleber für die nächsten Stufen verwenden kann. Aus diesen Unterbau kommt dann eigentlich noch immer auch das Gelände Krepp von NOCH oder das Gewebe zum weiteren Ausgestalten.

Papier und Holzleim

Für die Varianten 1 und 3 erstelle ich in der Regel noch eine Schicht aus relativ kleinen Papier Stücken, die in einem Wasser/Holzleim Gemisch getränkt werden. Man kann die Stücken (große und kleine) einfach aus der Tageszeitung oder den Werbezeitungen schneiden. Nach dem Tränken im Leim können diese dann auf das Träger Gewebe gelegt werden. Es macht sich auch gut, mehrere Schnipsel übereinander zu legen, das erhöht die spätere Festigkeit enorm.

Papier als 2. Schicht
Papier als 2. Schicht

Danach lässt man das Ganze mindestens 24 Stunden trocken und man erhält einen schon sehr festen Untergrund und verschließt damit das Gewebe der darunter liegenden Schicht. Anschließend pinsele ich die Fläche noch mit brauner Acrylfarbe ein.

Diesen Untergrund kann man nun schon mit Streu Materialien gestalten. Allerdings empfiehlt es sich noch, diese Fläche mit einer Spachtelmasse oder Gips zu bestreichen (siehe nächstes Kapitel) . Diese Schicht kann aber nun sehr dünn erstellt werden, da wir ja schon einen feste Oberfläche haben, das spart eine Menge Gewicht.

Als Tipp: die Fläche, die unter dem zu verlegenden Bereich liegt, muss gut gegen herabtropfende Leim Reste gesichert werden! Verwendet am Besten Küchenrolle, die großzügig verlegt wird. Manchmal merkt man das gar nicht und wunder sich dann irgendwann über die Kleber Reste auf Schienen oder anderen Dingen. Auch eine einfache Folie, die man im Baumarkt für Malerarbeiten bekommt, kann als Abdeckung verwendet werden.

Der Boden

Sobald ich, egal mit welcher Variante, einen Bereich gestaltet habe, folgt das Finish mit Hilfe von verschiedenen Spachtel Materialen. Lücken, Löcher oder sonstige Störungen verfülle ich mit Gips oder einem Gips/Motofill Gemisch. Für den Auftrag mische ich folgende Materialien zu einer Spachtelmasse:

  • Gips
  • Motofill
  • Quarzsand (z.B. von Busch, ca. 2 € pro Beutel)
  • Holzleim
  • Wasser
  • Spüli
  • Braune Acrylfarbe

Zu erst erstelle ich ein 50:50 Gemisch von Gips und Motofill (die Masse härtet dann nicht so schnell aus). Anschließend kommt die gleiche Menge an Quarzsand hinzu. Das Ganze wird dann mit Wasser angerührt und dann mit einem 10% Anteil Holzleim verrührt. An das Wasser kommen ein paar Tropfen Spüli. Ganz zum Schluss wird dann (je nach gewünschter Intensivität) braune Acrylfarbe hinzu gegeben.

Nach dem Anrühren wird dann mit Spachteln und Pinsel die Masse auf den Untergrund verteilt.

Nach dem Trocknen erhält man dann mit dem darunterliegenden Gewebe, der Papierschicht und der Spachtelmasse einen leichten, aber trotzdem stabilen Unterbau.

Im Anschluss geht es dann mit der Gestaltung der Natur weiter.

Zusammenfassung

  • Unterbau aus Styropor oder NOCH Terra-Form System
  • 1. Lage aus NOCH Krepp Papier oder PVC Putzgewebe
  • Putzgewebe mit Papierschicht(en) abdecken und verleimen
  • Zum Schluss mit eigener Spachtelmasse oder Gips Boden gestalten

Verwendete Materialien

  • Modellbau Gips und Motofill aus dem Baumarkt (5 Kilo reicht für ein Weilchen)
  • Wasser aus dem Hahn
  • Spüli aus der Küche
  • Quarzsand (Modellbahn Zubehör oder Bastel Bedarf)
  • Heißkleber
  • Holzleim (Klassisch z.B. von Ponal)
  • Braune Acrylfarbe (Baumarkt oder Bastel Bedarf)
  • PVC Putzgewebe aus dem Baumarkt auf Rolle
  • NOCH Terra-Form System (Startpackung ist besser als Einzelteile)
  • NOCH Krepp Papier

 

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