Flora

Ähnlich wie beim Bau des Geländes  stand ich auch bei der Begrünung der Anlage erst einmal vor einem großen Problem: wie mache ich das am Besten?

Klar war nur, dass 1. keine einfachen Produkte (Standard Grasmatten, Späne) mehr zum Einsatz kommen sollten und 2. auf Grund der enormen Bandbreite eine Auswahl von verschiedenen Elementen angewendet werden soll.

Schicht 1 – Boden

Für den Boden als Imitat verwende ich ganz einfach den Quarzsand von Busch, den es günstig in brauner Farbe gibt. Der Boden wird vorher mit Holzleim (unverdünnt) eingestrichen und dann der Sand mit einen Eierbecher oder mit den Fingern aufgestreut. Eine Nacht warten und man hat einen perfekten Erdboden (Absaugen der Reste nicht vergessen).

Schicht 2 – Gras

Zum Thema Begrasen gibt es eine Menge von Techniken und Möglichkeiten und jeder Modellbahner hat seine eigene Methode, um Gras auf der Anlage darzustellen. Nach einigen Tests (Matten, Dose als Streuer, Eigenbau Fliegenklatsche) habe ich mich doch entschieden, einen NOCH Grasmaster 2.0 anzuschaffen. Man bekommt das Gerät inzwischen zum Straßenpreis von knapp 100 €.

Die ersten Tests mit dem Gerät überzeugten mich dann, lediglich bei den ganz langen Fasern (12 mm) habe ich noch Probleme bzw. muss noch die richtige Methode finden.

Beim elektrischen Begrasen verwende ich in der Regel 2 bis 3 Schichten mit den Längen 2 mm, 4 bis 6 mm und 12 mm. Letzteres nur bei Stellen, wo das Gras auch wirklich ungestört in die Länge wachsen kann. Aber auch zur Darstellung der für den Frühherbst typischen langen gelben Gräser verwende ich die 12 mm Fasern.

Gras 2 bis 4,5 mm
Gras 2 bis 4,5 mm

Ach ja, ich sollte erwähnen das ich mich bei den Farben am Spätsommer und den Übergang in den frühen Herbst versuche zu orientieren.

Die erste Schicht sind immer 2 mm Fasern. Dazu verwende ich die Färbungen „Früh-Herbst“ und „Beige“ von mini Natur / Silhouette. Ab und zu mische ich auch noch grüne 2 mm Fasern (oder andere Mischungen) von NOCH dazu. Der Boden wird zuerst mit Weißleim eingestrichen, ich lasse aber immer Lücken. Die können später mit längeren Fasern aufgerüstet werden oder bleiben einfach leer, was ja bei höher gelegenen Alm- oder Alpenwiesen öfters vorkommt. Mit Hilfe eines zentral gelegenen Nagels wird der Grasmaster geerdet.

Dann wird, wie überall im Netz geschrieben, mit langsamen kreisenden Bewegungen die Fasern aufgebracht.

Bei meinen Arbeiten habe ich festgestellt, das man den Grasmaster doch sehr dicht über der Oberfläche bewegen sollte und am Anfang und immer mal wieder in die Nähe des Nagels mit den Gegenpol arbeiten sollte, um das elektrische Feld bzw. den Topf des Grasmasters aufzuladen. Des Weiteren sollte man bei allen Durchgängen den Leim nicht mit Fasern ertränken, da sonst viele Fasern umkippen und nicht mehr aufrecht stehen.  Das ist nicht ganz einfach und mir gelingt das auch nicht immer, aber auf den Höhen, von denen wir in den Alpen reden, ist das Gras nicht so dicht (denke ich mal anhand von vielen Bildern).

Die erste Schicht sollte dann ordentlich durchtrocknen über Nacht. Vor dem nächsten Gang sollte man dann mit Hilfe eines feinen Siebes oder eines Lappens mit Luftdurchlass die restlichen Fasern aufsaugen. Hat man so viele Fasern gerettet wie möglich, empfiehlt es sich noch einmal ordentlich ohne Aufsatz und mit Power die restlichen losen Fasern aufzusaugen.

Die nächste Gras Schicht wird dann so wie die erste auftragen. In den freien Flächen wird dann wieder Weißleim aufgebracht, in den schon begrasten Bereichen kann man ein Leim/Wasser Gemisch mit einem weichen Pinsel einarbeiten. Dieser darf nicht zu dünn sein, da sonst die Fasern keinen Halt finden. Ich verwende immer hier für eine Pipette zum Aufbringen, das hat sich bewährt.

Nach dem Begrasen heißt es dann wieder trocknen lassen und wie gehabt die Flächen absaugen und die losen Fasern wieder retten.

Für diese zweite Schicht verwende ich meistens 4 oder 4,5 mm hohe Fasern, wieder in den Farben „Früh-Herbst“ und „Beige“ von mini Natur / Silhouette, ich mische aber auch gerne mal 6 mm Fasern von HEKI und NOCH darunter. Diese dann auch in den passenden Farben. Es kommt immer darauf an, wo der Rasen wächst auf der Bahn. Gepflegte Wiesen in Hausnähe sollten mit 4 mm Gras behandelt werden, Wiesen an Bahndämmen etc. vertragen auch mal 6 mm Fasern.

Für viele Fläche reichen die ersten zwei Schichten. In der Natur kann man aber oft auch sehr hohe Gräser in Flächen sehen, die nicht genutzt werden (Ränder von Wiesen, Übergänge in den Wald, an Bächen und Flüssen). Von daher kann man an solchen Stellen ruhig dann eine dritte Schicht mit 12 mm Fasern von NOCH aufbringen. Das Vorgehen ist wieder gleich, zum Leimen nehme ich wieder ein Gemisch mit Wasser und bringe diese flächen- oder punktmäßig mit einer Pipette auf.

Nach dem dann alles getrocknet ist und ordentlich von den losen Fasern befreit, geht es dann mit der nächsten Schicht weiter.

Vorher noch ein paar Tipps von mir:

  • Man liest oft viel davon, die Fasern anzufeuchten, um diese besser zum Stehen zu bekommen. Das kann ich nicht bestätigen und verzichte deshalb darauf.
  • Die mini Natur Fasern neigen schon in der Verpackung zum Klumpen, ich fülle daher diese mit anderen Fasern direkt in den Topf. Durch die kreisenden, leicht schüttelnden Bewegungen löst sich das aber auch immer gut auf. Man muss die Fasern also nicht vorher „mischen“, sondern legt die Klumpen einfach nebeneinander.
  • Man sollte nur immer kleine Flächen (ca. 20 x 20 cm) bearbeiten. So muss man sich nicht abhetzen, um den Leim zu verteilen.
  • Längere Fasern lassen sich auch noch etwas „aufrichten“, wenn man mit dem Grasmaster sehr nah drüber streicht.
  • Man kann auch mit einem Staubsauger und Filter für die Fasern (Staubsauber auf Minimum stellen) noch dafür sorgen, das sich Grasfasern aufrichten.
  • Nicht jeder Grashalm in der Natur steht gerade, von daher ist es nicht schlimm, wenn immer wieder Fasern umfallen.
  • An Hängen sollte man darauf achten, das Gras auch der Schwerkraft folge leistet und lotrecht wächst.

Schicht 2 – Alternative: Grasmatte

Inzwischen gibt es von einigen Herstellern (model-scene, Silhouette, POLAK) sehr realistische Grasmatten. Der Preis ist zwar teilweise ganz schön happig, aber so perfekt wie diese Matten bekommt man es selbst nicht hin. Ich verwende solchen Matten auch teilweise an einigen Stellen (kleinere Flächen und Flächen, die nah am Betrachter sind). Das Ergebnis ist dann oft der Wahnsinn, das sieht teilweise wie echt aus.

Auch klassische Hersteller wie NOCH, Faller und Co. bieten inzwischen solche Grasmatten als Premium an, ich kann dieser aber nicht beurteilen.

Als Preistipp dürfen die Matten von POLAK gelten.

Schicht 2 – Waldboden oder Anderes

Böden in Wäldern, egal ob Laub- oder Nadelwald, unterscheiden sich von den Wiesen in der „freien“ Natur. Hier gibt es oft nur noch wenig Gras, dafür andere Bodendecker wie Farne, Kräuter oder Büsche. Auch Brombeeren oder Himbeeren sind in Wäldern oft vorhanden.

Zur Gestaltung des Waldbodens verwende ich daher ein Streu von Busch (Waldboden oder Streupulver). Auf diesen kommen dann Steine und einige Grasflocken und Grasbüschel von NOCH. Aus dem Wald kommen dann feine Äste von Bäumen (Nadel- und Laubbäume) zum Einsatz, gut getrocknet und in Stücke unterschiedlicher Länge geschnitten. Dann noch Bodendecker und Unkraut von mini Natur sowie Farne und Pilze von Busch und NOCH.

Danach stelle ich die Bäume wie Fichten oder Lärchen an die gewünschten Stelle und tarne die Füße und Wurzeln teilweise mit feiner Flockage (erdfarben). Die Wurzeln sehen doch teilweise zu arg nach Plastik aus.

Einige Stellen im Wald kann man trotzdem noch begrasen und begrünen, oft reichen schon kleine Lücken in den Baumkronen und das Grünzeug wächst am Boden.

Zusätzlich kann man am Ende noch Brombeer und Himbeer Büsche setzen, nur weiß ich ehrlicherweise nicht genau, ob die in den höheren Waldlagen der Schweiz noch wachsen.

Schicht 3 – Bodendecker, Unkraut, Blumen und Grünzeug

Nach dem Aufbringen der Grasfasern oder Grasmatten sollte man auf jeden Fall punktweise und nach Beobachtungen der Natur damit anfangen, Akzente zu setzen. Dazu kann z.B. die verschiedenen Flockagen und Klumpstreus, aber auch andere Hilfsmaterialien der Hersteller einsetzen.

Bei mir finden dabei Verwendung:

  • Fine und Blended Turf von Woodland (grün, beige, „burned“)
  • Flocken und Flockage von NOCH (grün, beige)
  • Bodendecker von mini Natur (dunkelgrün)
  • Goldrute und Schachtelhalme von mini Natur (herbstfarben)
  • Unkrautbüschel von mini Natur
  • Laser Minicuts von NOCH (Farne und andere diverse Pflanzen)
  • Grasbüschel (XL) von NOCH (dunkelgrün und beige)
  • Feldblumen in diversen Farben von NOCH
  • Blütenimitate von NOCH (gelb und weiß)

Mit Hilfe dieser Materialien entsteht nach und nach eine Ausgestaltung der verschiedenen Bereiche. Ich versuche mich dabei immer zu beschränken, um keine überladenden Szenen zu erhalten. Nachrüsten kann man immer noch!

Wiese mit Details
Wiese mit Details

Als Kleber kommt ein normaler Haushaltskleber zum Einsatz, der Heißkleber ist bei der Größe keine gute Idee, es sei denn man steht auf Verbrennungen.

Ende

oder nicht? Natürlich sind wir noch fertig mit der Landschaft. Noch fehlen Wege, Bäume und andere Details wie Wasser. Trotz allem sind diese Informationen hier ein guter Überblick, wie ich meine Landschaft begrüne und eventuell könnt Ihr euch hier den einen oder anderen Tipp noch abholen.

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